Skitour Schlossberggrat statt Grassen
Da die Strasse im Meiental nur bis Färnigen geöffnet war, mussten wir unser Ziel – den Grassen – neu bestimmen. So entschieden wir uns, das Brüsti-Bähnli in Attinghausen zu nehmen und den Ostgrat des Schlossbergs anzuvisieren.
Wir trafen uns in Brunnen bei Röbi, der uns vier mit seinem Caddy zur Mittelstation brachte, wo wir pünktlich um 7 Uhr das erste Bähnli mit drei weiteren Skitourengängern teilten. Die ersten 100 Höhenmeter galt es dann die Skier zu tragen, und zwar nicht rauf, sondern zuerst runter bis Waldnachter Seeli um danach auf dem Weg zum Surenenpass bis zur Abzweigung Richtung Guggital und den Schwarzen Stöcklenen aufzusteigen.
Nach längerem steilem Aufstieg folgte eine Traverse vor dem Schlussaufstieg. Mittendrin entschieden wir uns die Harscheisen zu montieren. Dabei wollte der Schnee einfach nicht aus meiner rechten Bindung. Und 10 Meter weiter realisierte ich plötzlich, dass sich mein linker Ski ohne Vorwarnung vom Schuh gelöst hatte und gerade auf den Abgrund zusteuerte: Er verschwand lautlos.
Innert 1 Sekunde war alles anders, das Adrenalin putschte mich richtig auf. Roman stieg weiter auf, um Röbi und Wisi über den Skiverlust zu informieren. Und ich drehte mich vorsichtig um und machte mich mit einem Ski auf den Rückweg. Schon bald kam Röbi angefahren und offerierte mir einen seiner Skier, welcher glücklicherweise ziemlich genau passte. So machten wir uns zu viert auf den Weg der Aufstiegspur entlang nach unten. Vergeblich versuchten wir den verlorenen Ski zu erspähen.
Doch plötzlich geschah das Wunder: Romans Adlerauge entdeckte den eingesteckten Ski weit oberhalb von uns. Welche Erleichterung! Und im nächsten Augenblick hatte Wisi auch schon die Felle montiert und rannte den Berg hinauf. So konnte ich Röbi seinen Ski zurückgeben und durfte wenig später meinen eigenen – inklusive Fell und Harscheisen und auch ohne Stauchung – wieder entgegennehmen.
Unser Mittagessen genossen wir danach umso mehr – wenn auch nicht auf dem Gipfel. Röbi erklärte mir, dass der Gipfel völlig nebensächlich sei und das Zusammenbleiben der Gruppe oberstes Gebot habe. Zudem sollte ein guter Tourenleiter stets mindestens 50 % Reserve für Notfälle haben.
Ein Glück, dass wir mit Röbi, Wisi und Roman gleich drei Tourenleiter dabeihatten! Der restliche Abstieg war dann nicht mehr so aufregend und zum Schluss schon eher heiss als warm. So konnten wir das verdiente Bier mit Kaffee und Kuchen im Brüsti richtig geniessen. Zum Abschluss lud uns Röbi noch einmal auf ein Bier in seinen Garten mit herrlichem Muotablick ein.
Eine Tour, die ich so schnell nicht vergessen werde – nicht wegen des Adrenalins, sondern vor allem wegen der Kameradschaft, bei der der Zusammenhalt weit über dem eigenen Gipfelerlebnis stand.
Euch allen, Röbi, Wisi und Roman, hier noch einmal ein riesiges Dankeschön!!!



